Sauerteig-Guide

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1. Willkommen – schön, dass du loslegst

Dein erstes Sauerteigbrot beginnt mit Mehl, Wasser und etwas Geduld. Du lernst dabei, wie ein aktiver Starter aussieht, wann dein Teig genug gegangen ist und wie du ihn backst. Uhrzeiten helfen bei der Planung; entscheidend sind immer auch Temperatur und Teigzustand.

Was du brauchst

Das steckt in deinem Set:

  • Runder Gärkorb aus Rattan, 23 cm: gibt dem geformten Teig beim letzten Gehen Halt.
  • Leineneinsatz: liegt im Gärkorb und erleichtert das Herauslösen, wenn er gut bemehlt ist.
  • Starterglas mit 1 l Volumen, Fütterungsband und Thermometer: zum Ansetzen, Füttern und Beobachten. Das Band markiert die Höhe direkt nach der Fütterung.
  • Dänischer Teigbesen: verbindet Mehl, Wasser und Starter.
  • Edelstahl-Teigkarte: hilft beim Portionieren und Formen auf der Arbeitsfläche.
  • Flexible Teigkarte: löst Teig aus Schüssel und Glas.
  • Brotmesser zum Einschneiden, auch Lame genannt, mit Ersatzklingen: öffnet die Teighaut vor dem Backen.

Das besorgst du zusätzlich:

  • Roggenvollkornmehl für den Starter; für das erste Brot Weizenmehl Type 550 und Type 1050.
  • Salz und Trinkwasser. Normales Leitungswasser passt, sofern es als Trinkwasser geeignet ist.
  • Digitale Küchenwaage, möglichst mit 1-g-Schritten, große Schüssel und Abdeckung.
  • Backofen, Backblech und geeignetes Backpapier sowie hitzefeste Ofenhandschuhe.
  • Optional: ausreichend großer, ofenfester Topf mit Deckel; für den freigeschobenen Laib etwa 24–26 cm Innendurchmesser. Prüfe die Temperaturfreigabe aller Teile, auch des Deckelknopfs.
  • Hilfreich: Reismehl zum Ausstreuen, Kuchengitter und Einstichthermometer für das Brot.

Mehl und Starter sind nicht enthalten. Plane für das Ansetzen ungefähr 500 g Roggenvollkornmehl ein; falls es länger dauert, brauchst du mehr. Reinige Glas und Werkzeuge vor dem ersten Gebrauch. Für das Glas gelten die Pflegeangaben des Herstellers.

2. Starter ansetzen: Tag 1–7

Ein Starter ist eine Kultur aus Mehl und Wasser, in der sich Hefen und Milchsäurebakterien entwickeln. Hier fütterst du mit Roggenvollkornmehl und gleich viel Wasser nach Gewicht: 1:1 bedeutet beispielsweise 30 g Mehl plus 30 g Wasser. Dazu kommt bei den Folgetagen eine kleine Menge des bisherigen Ansatzes.

Stelle das Glas möglichst gleichmäßig bei 24–26 °C auf. Wasser soll handwarm, keinesfalls heiß sein. Direkte Sonne, Heizkörper und ein eingeschalteter Backofen sind ungeeignet. Kontrolliere die tatsächliche Temperatur; auch eine Ofenlampe kann einen kleinen Raum zu stark aufheizen.

Lege den Deckel locker auf oder schließe ihn so, dass Gas entweichen kann. Ein aktiver Starter darf nicht luftdicht unter Druck stehen. Halte den Glasrand sauber und lasse viel Platz nach oben. Markiere nach jeder Fütterung die Füllhöhe mit dem Band.

Dein Tagesplan

Die Angaben gelten jeweils für eine Fütterung. Behalten bedeutet: Diese Menge bleibt vom alten Ansatz übrig; den Rest nimmst du vorher heraus. Du sammelst die Tagesmengen also nicht im Glas an.

Tag Behalten und füttern Was du beobachten kannst
1 30 g Roggenvollkornmehl mit 30 g Wasser verrühren. Eine dicke Paste ohne trockene Mehlnester. Abdecken und 24 Stunden warm stellen.
2 20 g Ansatz behalten, 30 g Roggenvollkornmehl und 30 g Wasser dazugeben. Einzelne Bläschen oder noch keine sichtbare Aktivität sind möglich.
3 20 g Ansatz behalten, mit 30 g Mehl und 30 g Wasser füttern. Manchmal steigt der Ansatz plötzlich stark. Das kann eine frühe Bakterienaktivität sein und bedeutet noch keine Backreife.
4 20 g Ansatz behalten, 30 g Mehl und 30 g Wasser ergänzen. Nach dem ersten Aufschäumen folgt oft eine ruhigere Phase. Weiterfüttern, auch wenn wenig passiert.
5 20 g Ansatz mit 40 g Mehl und 40 g Wasser füttern. Suche nach feinen Blasen im ganzen Ansatz und einem zunehmend angenehm säuerlichen Geruch.
6 20 g Ansatz mit 40 g Mehl und 40 g Wasser füttern. Notiere, wie lange er bis zur höchsten Stelle braucht und wann er wieder fällt.
7 Wieder 20 g Ansatz mit 40 g Mehl und 40 g Wasser füttern. Prüfe die Backreife anhand der Kriterien unten. Der Kalendertag allein genügt nicht.

Füttere anfangs ungefähr alle 24 Stunden. Wenn der Starter ab Tag 5 schon deutlich früher steigt und wieder einfällt, kannst du auf zwei Fütterungen täglich im Abstand von etwa 12 Stunden wechseln. Verwende dabei dieselben Mengen. Bleibt er träge, prüfe zuerst die Temperatur und bleibe beim täglichen Rhythmus.

Entsorge die entnommenen Mengen dieser Aufbauphase im Rest- oder Biomüll entsprechend den örtlichen Regeln, nicht im Abfluss. Verwende sie noch nicht zum Kochen oder Backen. Rohes Mehl und rohen Starter solltest du nicht probieren.

Wann ist der Starter bereit?

Er sollte sich nach einer Fütterung von 20 g Starter + 40 g Mehl + 40 g Wasser bei 24–26 °C ungefähr innerhalb von 4–8 Stunden mindestens verdoppeln. Dieses Verhalten sollte er bei zwei bis drei aufeinanderfolgenden Fütterungen zeigen. Dazu kommen viele Blasen, eine lockere Struktur und ein angenehm säuerlicher Geruch.

Am höchsten Punkt ist die Oberfläche oft noch leicht gewölbt oder beginnt gerade flach zu werden. Deutliche Ränder über dem aktuellen Stand zeigen, dass er bereits eingefallen ist. Plane die Verwendung möglichst nahe am höchsten Stand.

Braucht dein Ansatz 10–14 Tage oder länger, ist das kein automatischer Fehler. Füttere weiter und beobachte. Ein einzelner großer Anstieg an Tag 2 oder 3 reicht nicht als Nachweis eines stabilen Starters.

Geruch und Schwimmtest richtig einordnen

Leicht säuerlich, joghurtartig, fruchtig oder hefig sind übliche Gerüche. In den ersten Tagen kann der Ansatz vorübergehend streng oder käsig riechen. Alkoholischer Geruch oder ein Ton wie Nagellackentferner deutet häufig auf Hunger hin: regelmäßig füttern und den Verlauf beobachten.

Beim Schwimmtest gibst du ein kleines Stück Starter vorsichtig in Wasser. Schwimmt es, enthält es genügend eingeschlossenes Gas. Der Test ist kein verlässlicher Nachweis der Backreife: Ein Roggenstarter kann trotz Aktivität sinken; auch Umrühren verändert das Ergebnis. Wiederholbares Aufgehen nach dem Füttern ist aussagekräftiger.

Flaumiger Bewuchs, rosa oder orange Stellen sind dagegen kein normaler Entwicklungsschritt. Entsorge dann den gesamten Ansatz und beginne in einem gründlich gereinigten Glas neu.

3. Starter pflegen

Was bedeutet Anstellgut?

Anstellgut ist die kleine Menge deiner etablierten Starterkultur, die du für die nächste Fütterung aufbewahrst. Der zum Brotbacken angesetzte größere Sauerteig wird auch Levain genannt. Beides stammt aus derselben Kultur. Behalte immer etwas Anstellgut zurück, bevor du Sauerteig in einen Brotteig gibst.

Eine einfache Kühlschrankroutine

Wenn du ungefähr einmal pro Woche backst, reicht eine kleine Vorratsmenge:

  1. Behalte 10 g reifes Anstellgut und füttere mit 30 g Roggenvollkornmehl sowie 30 g Wasser.
  2. Lasse es bei Raumtemperatur etwa 1–2 Stunden anspringen, bis erste neue Blasen erkennbar sind.
  3. Stelle es abgedeckt bei etwa 4–6 °C in den Kühlschrank. Nutze einen geeigneten Verschluss ohne gefährlichen Druckaufbau.
  4. Füttere zunächst ungefähr wöchentlich. Passe den Rhythmus an, wenn dein Starter deutlich früher Hungerzeichen zeigt.

Sauberes Besteck, ein sauberer Glasrand und ein Datum auf dem Glas helfen bei der Pflege. Nimm ein frisches Glas, wenn sich viele angetrocknete Reste ansammeln.

Vor dem Backen auffrischen

Hole das Anstellgut rechtzeitig heraus. Füttere beispielsweise 10 g davon mit 30 g Mehl und 30 g Wasser und lasse es warm bis zum deutlichen Anstieg reifen. Nach längerer Kühlung können zwei oder drei Auffrischungen nötig sein. Verwende zum Weiterfüttern jeweils einen Teil des gereiften Ansatzes.

Erst wenn der Starter wieder zuverlässig steigt, setzt du den Rezept-Sauerteig an. Ein kalter, lange ungefütterter Rest direkt aus dem Kühlschrank kann den Brotteig sehr langsam treiben. Plane deshalb vor dem ersten Rezept bei Bedarf einen zusätzlichen Vorbereitungstag ein.

Längere Pause und Flüssigkeit auf dem Starter

Für zwei bis drei Wochen Pause kannst du eine frisch gefütterte, kurz angesprungene Kultur möglichst kühl lagern. Ob sie das gut übersteht, hängt vom Starter und der Kühlschranktemperatur ab. Kontrolliere sie nach der Rückkehr und frische sie mehrfach auf, bevor du backst.

Für längere Pausen lässt sich ein gesunder, aktiver Starter dünn auf Backpapier streichen, vollständig bei Raumtemperatur trocknen und anschließend trocken und luftdicht aufbewahren. Zum Wiederbeleben weichst du etwas davon ein und fütterst schrittweise mit Mehl und Wasser. Rechne mit mehreren Tagen bis zur verlässlichen Aktivität.

Eine graue bis bräunliche Flüssigkeit, oft Hooch genannt, kann bei einem hungrigen Starter entstehen und alkoholisch riechen. Ohne andere Auffälligkeiten kannst du sie abgießen oder einrühren und dann auffrischen. Flüssigkeitsabsetzung allein beweist allerdings weder Hunger noch Unbedenklichkeit.

Schimmel erkennst du besonders an pelzigen oder flaumigen Inseln; rosa, orange oder ungewöhnlich farbige Flecken sind ebenfalls Warnzeichen. Entsorge den kompletten Inhalt. Abschöpfen genügt nicht. Reinige das Glas gründlich, bevor du neu startest. Im Zweifel verwende den fraglichen Ansatz nicht.

4. Dein erstes Brot

Dieses runde Weizensauerteigbrot ergibt 900 g Teig. Das passt als Ausgangspunkt für deinen 23-cm-Gärkorb; die genaue Höhe hängt von Mehl, Formung und Gärung ab.

Zutaten und Bäckerprozente

Bäckerprozente beziehen sich immer auf die gesamte Mehlmenge, hier 500 g. Mehl und Wasser im Sauerteig zählen mit.

Zutat im gesamten Teig Menge Bäckerprozent
Weizenmehl Type 550 400 g 80 %
Weizenmehl Type 1050 50 g 10 %
Roggenvollkornmehl im reifen Sauerteig 50 g 10 %
Wasser insgesamt 390 g 78 %
Salz 10 g 2 %
Gesamt 900 g 180 %

Davon stecken 50 g Roggenmehl und 50 g Wasser bereits in 100 g reifem Sauerteig. In die Teigschüssel kommen deshalb:

  • 100 g reifer Sauerteig aus dem folgenden Ansatz
  • 400 g Weizenmehl Type 550
  • 50 g Weizenmehl Type 1050
  • 340 g Wasser, davon zunächst 310 g verwenden
  • 10 g Salz

78 % Wasser ergeben einen eher weichen Teig. Halte als Anfänger die letzten 30 g zunächst zurück und gib sie nur hinzu, wenn der Teig nach dem Mischen bereits zusammenhält. Mit 310 g zusätzlichem Wasser beträgt die Gesamtwassermenge 360 g, die Hydration 72 % und das Teiggewicht 870 g – ebenfalls passend für den Korb. Das erleichtert häufig die Handhabung. Mehle nehmen unterschiedlich viel Wasser auf.

Dinkelmehl Type 630 ist eine mögliche spätere Variante, aber kein völlig gleichwertiger Ersatz: Dinkelteig wird bei gleicher Wassermenge oft weicher und verträgt weniger intensive Bearbeitung. Lerne den Ablauf zunächst mit Weizen kennen.

Zeitplan: Freitagabend bis Sonntagmorgen

Der Ablauf beginnt am Vorabend des Mischtags. Nach dem Mischen am Samstag folgt die kalte Stückgare über Nacht; gebacken wird Sonntag. Eine Kühlschrankgare von 10–16 Stunden braucht entsprechend einen zweiten Übernachtungsabschnitt. Die Uhrzeiten sind Beispiele für einen Raum mit etwa 24 °C.

Freitag, 22:00 Uhr: Sauerteig ansetzen

Verrühre 10 g aktives Roggen-Anstellgut mit 45 g Roggenvollkornmehl und 45 g Wasser. Das ergibt 100 g Sauerteig mit gleichen Anteilen Mehl und Wasser, sofern dein Anstellgut ebenfalls 1:1 geführt ist. Lasse ihn bei 24–26 °C ungefähr 8–12 Stunden reifen.

Dieser Ansatz wird vollständig für das Brot verwendet. Bewahre deshalb separat Anstellgut im Kühlschrank auf. Ist dein Starter sehr schnell, setze den Sauerteig später oder etwas kühler an; entscheidend ist der Reifezustand am Morgen.

Samstag, etwa 09:00 Uhr: optional vorquellen lassen

Wenn der Sauerteig fast reif ist, mische 400 g Weizenmehl Type 550, 50 g Type 1050 und 310 g Wasser grob. Lasse die Mischung abgedeckt 20–30 Minuten stehen. Dieses Vorquellen heißt Autolyse und erleichtert das anschließende Mischen. Du kannst es überspringen und alle Hauptteigzutaten direkt vermischen.

Etwa 09:30 Uhr: Hauptteig mischen

Gib den reifen Sauerteig und 10 g Salz dazu. Arbeite mit dem dänischen Teigbesen, bis keine trockenen Stellen bleiben. Ergänze die zurückgehaltenen 30 g Wasser portionsweise nur, wenn der Teig sie aufnehmen kann. Ziel ist ein gleichmäßiger Teig mit ungefähr 24–26 °C. Decke die Schüssel ab. Die Stockgare, also die erste Gehzeit des gesamten Teigs, beginnt mit dem Einmischen des Sauerteigs.

Erste 90 Minuten: dehnen und falten

Falte nach ungefähr 30, 60 und 90 Minuten. Feuchte eine Hand an, fasse einen Teigrand, ziehe ihn vorsichtig hoch und lege ihn über die Mitte. Drehe die Schüssel und wiederhole das rundherum insgesamt viermal. Ziehe nur so weit, wie der Teig mitgeht; er soll nicht reißen.

Mit jeder Runde sollte er mehr Spannung bekommen und weniger breitlaufen. Decke ihn zwischen den Runden wieder ab.

Bis etwa 14:30–16:30 Uhr: Stockgare beurteilen

Rechne insgesamt mit etwa 5–7 Stunden ab dem Mischen bei 24–26 °C. Bei kühlerem Raum oder jungem Starter kann es deutlich länger dauern. Der Teig ist bereit, wenn er ungefähr 40–60 % an Volumen gewonnen hat, am Rand Bläschen zeigt und beim leichten Bewegen der Schüssel luftig wackelt. Die Oberfläche wirkt etwas gewölbt; der Teig hat trotz Luftigkeit noch Zusammenhalt. Er muss sich vor der langen Kühlschrankgare nicht verdoppeln.

Ist er noch kompakt und ohne sichtbare Lockerung, gib ihm mehr Zeit. Wird er zunehmend flüssig, sehr klebrig und fällt ein, ist er wahrscheinlich zu weit gereift. Die Kühlschrankgare bremst die Gärung nur allmählich: Ein warmer Teig gärt im Inneren zunächst weiter.

Etwa 15:00–17:00 Uhr: vorformen und formen

Gib den Teig mit der flexiblen Karte auf eine leicht bemehlte Fläche. Schiebe ihn mit der Edelstahl-Teigkarte vorsichtig zu einer lockeren Kugel zusammen. Lasse ihn 20–30 Minuten abgedeckt entspannen.

Zum endgültigen Formen wendest du ihn auf die leicht bemehlte Seite. Falte die Ränder zur Mitte, drehe die Kugel mit dem Schluss nach unten und ziehe sie mit Händen oder Teigkarte behutsam über die Arbeitsfläche. So entsteht Oberflächenspannung. Höre auf, bevor die Haut reißt; eingeschlossene Luft soll möglichst erhalten bleiben.

Gärkorb vorbereiten und kalt stellen

Lege den trockenen Leineneinsatz in den trockenen Korb. Reibe Mehl sorgfältig in das Gewebe, besonders am Boden und an den Seiten. Reismehl oder eine Mischung aus Reis- und Weizenmehl haftet weniger stark am feuchten Teig als Weizenmehl allein.

Lege die Kugel mit dem Schluss nach oben hinein. Decke den Korb so ab, dass die Teighaut nicht austrocknet, etwa mit einer ausreichend großen lebensmittelechten Haube. Stelle ihn direkt für 10–16 Stunden bei etwa 4–6 °C in den Kühlschrank. Kontrolliere die Temperatur möglichst auf der tatsächlich genutzten Ablage. Ein wärmerer Kühlschrank beschleunigt die Gare.

Der Teig soll vor dem Backen sichtbar lockerer wirken. Eine sanfte Fingerprobe kann Hinweise geben: Eine Delle kommt langsam und teilweise zurück. Bei kaltem, festem Teig ist dieser Test jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.

Sonntagmorgen: einschneiden und backen

Heize rechtzeitig vor und backe den Teig direkt aus dem Kühlschrank. Stürze ihn auf geeignetes Backpapier oder einen passenden Backhelfer. Entferne Korb und Leinen vollständig.

Schneide mit der Lame einen etwa 0,5–1 cm tiefen, leicht seitlich verlaufenden Bogen. Halte die Klinge dafür ungefähr in einem Winkel von 30–45° zur Oberfläche und arbeite mit einer entschlossenen Bewegung. Greife niemals in Richtung der Schneide. Ein Ausbund entsteht durch das Zusammenspiel von Spannung, Gare, Schnitt und Dampf; ein ausgeprägtes „Ohr“ ist kein Qualitätsnachweis.

Variante A: im Topf mit Deckel

  1. Heize Ofen und geeigneten Topf samt Deckel etwa 40–45 Minuten auf 250 °C Ober-/Unterhitze vor. Beachte abweichende Herstellerangaben, insbesondere bei beschichteten oder keramischen Töpfen.
  2. Hebe den eingeschnittenen Teig vorsichtig in den heißen Topf. Verwende nur Backpapier, das für die Temperatur geeignet ist, und schneide überstehende Ecken zurück.
  3. Backe 20 Minuten bei 250 °C mit Deckel.
  4. Nimm den Deckel mit Ofenhandschuhen ab, reduziere auf 230 °C und backe weitere 25–30 Minuten bis zur kräftigen Bräunung.

Zusätzliches Wasser im geschlossenen Topf ist nicht nötig. Achtung beim Öffnen: Heißer Dampf entweicht.

Variante B: auf dem Blech mit Dampf

  1. Heize ein stabiles Backblech auf mittlerer Schiene und eine leere, ausdrücklich hitzefeste Metallschale darunter etwa 40–45 Minuten bei 250 °C Ober-/Unterhitze vor. Prüfe, ob dein Ofen diese Dampfmethode erlaubt.
  2. Schiebe den eingeschnittenen Laib auf geeignetem Backpapier auf das heiße Blech.
  3. Gieße vorsichtig etwa 100–150 ml heißes Wasser in die Metallschale und schließe sofort die Tür. Halte Hände und Gesicht aus dem aufsteigenden Dampf. Gieße niemals Wasser auf Ofenboden, Lampe oder Glasscheibe und verwende keine Glasschale.
  4. Backe 20 Minuten bei 250 °C. Öffne dann die Tür kurz zum Ablassen des Dampfs. Entferne die Schale nur, wenn das ohne Verschütten sicher möglich ist; sonst bleibt sie stehen.
  5. Reduziere auf 230 °C und backe weitere 25–35 Minuten. Drehe das Brot bei ungleichmäßiger Bräunung gegen Ende einmal.

Garprobe und Abkühlen

Die Kerntemperatur sollte ungefähr 96–98 °C erreichen. Miss seitlich bis in die Mitte; zusätzlich sollte die Kruste deutlich gebräunt sein. Wird sie zu früh dunkel, decke das Brot gegen Ende locker mit geeigneter Folie ab.

Lasse es auf einem Gitter mindestens eine Stunde, besser zwei Stunden, offen auskühlen. Die Krume festigt sich dabei weiter. Zu frühes Anschneiden kann sie klebrig erscheinen lassen. Bewahre das abgekühlte Brot anschließend beispielsweise in einem Brotkasten auf; zum längeren Aufheben kannst du Scheiben einfrieren.

5. Gärkorb, Leinen & Werkzeug richtig pflegen

Rattankorb: trocken halten

Klopfe nach dem Gebrauch überschüssiges Mehl aus. Lasse den Korb ohne Einsatz an einem luftigen Ort vollständig trocknen und bürste trockene Reste mit einer sauberen Bürste ab. Kein Wasser auf das Rattan: nicht abspülen, einweichen oder in die Spülmaschine geben.

Verstaue den Korb erst, wenn er ganz trocken ist. Feuchtigkeit und geschlossene Aufbewahrung begünstigen Schimmel. Bei sichtbarem Schimmel verwende ihn nicht weiter und kläre einen Ersatz, statt nur die Oberfläche abzubürsten.

Gärkorb und Leineneinsatz sind nicht ofenfest. Sie dienen ausschließlich der Gare. Stelle sie auch nicht zum Trocknen in einen heißen Ofen.

Leineneinsatz und Werkzeuge

Lasse den Leineneinsatz nach jedem Backen trocknen und bürste ihn aus. Bei Bedarf wasche ihn separat nach Pflegeetikett, ohne Weichspüler und mit gut ausgespültem Waschmittel. Ohne konkrete Temperaturfreigabe wähle eine schonende Handwäsche. Ziehe ihn in Form und lasse ihn vollständig trocknen. Vor dem nächsten Gebrauch wieder sorgfältig bemehlen.

Spüle Teigbesen und Teigkarten nach der Verwendung ab und trockne sie gründlich. Eingetrockneter Teig lässt sich vorher mit Wasser lösen. Ob Teile spülmaschinengeeignet sind, richtet sich nach den Herstellerangaben; Holzgriffe gehören gewöhnlich nicht hinein.

Die Lame-Klinge ist auch seitlich beim Reinigen scharf. Berühre nur die dafür vorgesehenen Haltepunkte, wechsle Klingen nach Herstelleranleitung und bewahre Lame sowie Ersatzklingen geschützt und für Kinder unzugänglich auf. Entsorge alte Klingen in einem durchstichsicheren Behälter gemäß den örtlichen Vorgaben, niemals lose im Müll.

6. Fehlerhilfe

Ändere möglichst nur eine Sache pro Backversuch. Notiere Mehl, Wassermenge, Raumtemperatur und Gehzeiten. | Problem | Mögliche Ursache | Was du beim nächsten Versuch ändern kannst | | --- | --- | --- | | Der Laib läuft flach auseinander. | Zu lange Gare, sehr weicher Teig, wenig Spannung oder schwaches Mehl. | Halte 30 g Wasser zurück, falte sorgfältig und beende die Stockgare früher, sobald der Teig ausreichend luftig ist. Forme mit spürbarer Spannung. | | Die Krume bleibt dicht. | Starter noch schwach, Stockgare zu kurz oder viel Luft beim Formen herausgedrückt. | Nutze mehrfach zuverlässig aufgegangenen Starter, beobachte den Volumenzuwachs und forme behutsamer. Prüfe auch, ob das Brot vollständig gebacken und ausgekühlt war. | | Der Teig klebt im Korb. | Leinen zu wenig bemehlt, Einsatz feucht oder Teig stark überreif. | Trockenen Einsatz gründlich mit Reismehl einreiben, besonders in den Vertiefungen. Gare kontrollieren. Beim Lösen vorsichtig den Stoff vom Teig abziehen. | | Es entsteht kein Ohr. | Schnitt zu senkrecht, wenig Oberflächenspannung, zu weit gegärt oder zu wenig Dampf. | Kalt einschneiden, Klinge flacher führen und Formung sowie Gare prüfen. Ein Brot ohne Ohr kann trotzdem gut gelingen. | | Das Brot schmeckt zu sauer. | Sehr reifer Sauerteig, hungriges Anstellgut oder lange warme beziehungsweise kalte Gare. | Vorher auffrischen, Sauerteig am höchsten Stand verwenden und die lange Gare etwas verkürzen, ohne den Teig unreif zu backen. | | Die Kruste bleibt blass. | Ofen nicht ausreichend vorgeheizt, Backzeit zu kurz oder Dampf zu lange gehalten. | Länger vorheizen, Deckel nach 20 Minuten entfernen beziehungsweise Dampf ablassen und offen kräftiger ausbacken. | | Der Starter geht nicht auf. | Zu kalt, noch jung, unregelmäßig gefüttert oder nach langer Kühlung geschwächt. | Tatsächliche Temperatur prüfen, 24–26 °C anstreben, Roggenvollkornmehl nutzen und mehrere Fütterungen beobachten. Bei Schimmel oder auffälligen Farben entsorgen. |

7. Wochenplan: entspannt am Wochenende backen

Dieser Ablauf setzt einen bereits etablierten Starter voraus. Für einen neuen Starter kommt die Aufbauzeit vorher dazu.

Tag Dein Schritt
Freitagmorgen Anstellgut aus dem Kühlschrank nehmen und auffrischen. Bei schwacher Aktivität früher anfangen und weitere Auffrischungen einplanen.
Freitag, etwa 22:00 Uhr 100 g Rezept-Sauerteig ansetzen; separates Anstellgut für die nächste Woche behalten.
Samstag, etwa 09:00–09:30 Uhr Optional vorquellen lassen, dann Hauptteig mischen.
Samstagvormittag Während der ersten 90 Minuten dreimal dehnen und falten. Danach abgedeckt weitergehen lassen.
Samstag, etwa 15:00–17:00 Uhr Je nach Teigreife vorformen, entspannen lassen, endgültig formen und im bemehlten Leinenkorb kalt stellen.
Sonntag, etwa 06:00–07:00 Uhr Vorheizen und innerhalb des Fensters von 10–16 Stunden Kühlschrankgare backen. Die genaue Startzeit richtet sich nach dem Einlagern am Samstag.
Sonntagmorgen Brot mindestens eine Stunde auskühlen lassen. Korb und Leinen trocknen, Werkzeuge reinigen.

8. Kontakt

Schreib uns, wenn etwas nicht klappt: über unsere Kontaktseite.

Hilfreich sind ein Foto vom Starter oder Brot, deine Mehlsorten, Raumtemperatur und die bisherigen Fütterungs- beziehungsweise Gehzeiten. So lässt sich leichter eingrenzen, welcher nächste Schritt sinnvoll ist.